Beliebte Ausreden des Hundebesitzers - 16 Gebrauchslügen und ihre Wahrheit

  von Rainer Brinks
   
 
 

Bild: Gebrauchslügen

  "Das hat er noch nie getan!"
Die Wahrheit ist entweder: "Das tut er doch immer!" oder "Ich kenne meinen Hund nicht, deshalb bin ich überrascht!".

"Das tut er gern/immer!"
Diese Untaten leistet er sich nur bei mir, weil ich zu faul war, es ihm abzugewöhnen.

"Der tut nichts!"
Hoffentlich tut er nichts! Ich weiß nie, was er tut.

"Er versteht jedes Wort, das ich sage!"
Ich glaube fest daran, weil ich mir keine Mühe gegeben habe, ihn zu verstehen.

"Er mag keine Männer!"
Er beißt gerne Männer. Was ich auch gerne tun würde. Und mich interessiert nicht, warum er das tut.

"Kastrieren? Das würde er mir nie verzeihen!"
Ist mir noch gar nicht in den Sinn gekommen, weil es mir nicht gefällt. Soll er doch produzieren, ich muss die Bälger ja nicht haben.

"Das würde er zu Hause nie tun!"
Ich würde es nie wagen, ihm das zu Hause zu verbieten, weil er ohnehin tun würde, was er will.

"Er mag nicht allein gelassen werden!"
Wenn ich weg bin, baut er das Haus ab und macht die Nachbarn fertig. Nur, weil ich zu faul war, ihm das zeitweilige Alleinsein beizubringen.

"Er weiß, dass er was falsch gemacht hat. Er fühlt sich dann schuldig!"
Dies allein rechtfertigt schon, dass ich seinetwegen die Nerven verliere.

"Er mag dieses Hundefutter nicht!"
Er hat mir beigebracht, dass er Besseres verdient.

"Er mag Kinder!" Ich habe über den Hund überhaupt keine Kontrolle. Ich kann ihn also nicht daran hindern, Dich umzuwerfen.

"Er mag halt auch Süßigkeiten!"
Zu zweit fällt mir meine Schwäche leichter. Steigerung: Wenn ich schon Übergewicht habe, soll er auch leiden.

"Er ist halt unberechenbar."
Nichts ist "unberechenbar". Eine falsche Schuldzuweisung für etwas, was für uns nicht erklärbar, berechenbar ist. Ehrlicher wäre es zu sagen: "Ich kann ihn nicht berechnen."

"Ich habe leider keine Zeit für ihn."
Diese dümmste wie unhöflichste aller Lügen gilt auch für Mitmenschen. Die Wahrheit ist, dass man sich nicht traut, zu sagen: "Anderes ist mir wichtiger, also nehme ich mir für den Hund oder dies und jenes keine Zeit." Oder noch deutlicher, beweiskräftiger: Stünde das Angebot an, sich einen ganzen Tag Zeit nehmen zu müssen, um einen Tausend-Mark-Scheck zu unterschreiben und in Empfang zu nehmen, hätte man sie natürlich - die Zeit dazu.

"Umständehalber kinderlieben, gut erzogenen Hund abzugeben."
Was können das für Umstände sein, die ein Lebewesen, plötzlich ganz lieb, so mir-nichts-dir-nichts "abgeben" lassen. Ist ein Ortswechsel oder eine andere Arbeitsstelle oder ein Jobwechsel ein Grund, ein Lebewesen abzulegen wie einen "plötzlich" unliebsamen Müllsack?

"Aber er fühlt sich doch wohl, er braucht nichts anderes!"
Ich mag es gern bequem und bin halt auch ein bisschen mollig oder zu faul zum Spazieren gehen. Der Hund weiß es nicht anders oder gar besser, weil es nie erfahren durfte.

Natürlich treffen diese Ausreden nur auf andere Hundehalter zu, nie auf einen selbst. Und: Mir fielen keine weiteren Ausreden ein - auch dies ist eine.